Alte Landwege verschwinden: AfD auf einmal grün?

Durchaus mit Erstaunen reagierte der Landtag, als die AfD-Fraktion einen Antrag in das hohe Gremium einbrachte, welcher als Ziel die Erhaltung alter Landwege hatte. Auf die besondere kulturelle und ökologische Bedeutung dieser Strukturelemente im Landschaftsbild wurde im Antragstext hingewiesen.

Ein Thema welches man eher bei den Grünen, die aktuell nicht im Landtag vertreten sind, ansiedeln würde.

Doch worum geht es?

Das Verschwinden der alten Landwege in Mecklenburg-Vorpommern ist kein neues Phänomen. Die großen Umbrüche des vergangenen Jahrhunderts haben zahlreiche Wege in Feld und Flur den großen Agrarstrukturmaßnahmen zum Opfer fallen lassen. Bodenreform und Zwangskollektivierung, Meliorationsprojekte und Flurneuordnungsverfahren hatten stets das Ziel, die Bewirtschaftung der Agrarflächen zu erleichtern. Aus damaliger Sicht nachvollziehbar und den Zielen einer ausreichenden Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln entsprechend durchaus sinnvoll.

In der heutigen Zeit erscheinen die radikalen Kultivierungsmaßnahmen als falsch, neue Ansprüche und Sichtweisen auf den Umgang mit der Natur zeichnen eine neue Zielvorstellung der ländlichen Räume im Land. Der Wert einer Kulturlandschaft wird heute anders definiert als vor 20 oder 50 Jahren.

Dabei darf nicht außer Acht gelassen werden, dass die zahlreichen Renaturierungsmaßnahmen unter anderem deswegen möglich sind, weil die moderne Landwirtschaft heute in der Lage ist auf deutlich weniger Fläche die gleichen Erträge zu erzielen wie noch vor wenigen Jahrzehnten.
Heute steht nicht mehr die kompromisslose Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion im Vordergrund, sondern Themenfelder wie Artenschutz, Erhaltung eines schönen Landschaftsbildes oder der Freizeitwert einer Region.

Hier spielen die alten Landwege, in Form von Feld- oder Waldwegen eine entscheidende Rolle. Sie erschließen die Feldmark und stellen direkte und kurze Verbindungswege zwischen Ortschaften und Naturräumen dar. Sie sind im Regelfall unbefestigt, versiegeln somit keine Fläche und sind an ihren Rändern von einer großen Artenvielfalt geprägt.

Häufig werden diese Wege von Hecken oder Obstbäumen gesäumt, sie ermöglichten den Menschen einen gewissen Schutz vor der Witterung und boten und bieten darüber hinaus wertvollen Lebensraum für vielerlei Tiere.
In Zeiten des nicht wegzudiskutierenden Artensterbens ein wichtiger Faktor.

Landwege gestalten die Landschaft, auch das ist ein wichtiger Aspekt. Zahlreiche Dörfer leiden seit der Wende an einem ständigen Einwohnerverlust, der ländliche Raum ist nicht nur aufgrund mangelnder Infrastruktur zunehmend unattraktiv für junge Familien, sondern ebenso aufgrund einer vielerorts völlig ausgeräumten Agrarlandschaft.

Es ist schlichtweg monoton. wenn in ein Dorf lediglich eine Durchfahrtsstraße hinein- und wieder hinausführt und somit wenige Möglichkeiten für einen Sonntagsspaziergang oder einen schönen Fahrradausflug bestehen. Geschweige denn für einen raumgreifenden Tourismus.
Ein Blick in die, zugegebenermaßen agrarhistorisch anders geprägten Regionen Süddeutschlands zeigt, wie hoch der Freizeitwert einer Landschaft sein kann, wenn ein dichtes und gut gepflegtes Wegenetz vorhanden ist.

Nun wird es nicht ohne weiteres möglich sein die einst verlorenen Wege wieder zu reaktivieren. Aber das Verständnis und die Wertschätzung müssen wachsen, dann können auch Infrastrukturmaßnahmen oder Flurneuordnungen stets mit Bedacht auf Erhalt und sogar Neuschaffung von ländlichen Wegen durchgeführt werden.

Die Natur und die Menschen in den ländlichen Räumen würden es danken!

Und wie ging es im Landtag weiter?
Nach allerlei blumigen Umschreibungen um den Wert dieser Wege wurde der Antrag abgelehnt. Er kam schlichtweg von der falschen Partei. Ob die Grünen mehr Erfolg gehabt hätten?

TS

Allgemein, Land und Natur, Leben, Meck-Pomm, Politik
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