Mega-Projekt: Grüne Erdwärme für Schwerin

Am 21.01.2020 tagte der Ortsbeirat von Schwerin-Lankow. Die Stadtwerke Schwerin und die betreibende Tochtergesellschaft EVSE stellten auf der Sitzung das neue Energie-Projekt vor. Künftig soll aus dem Lankower Erdinneren Wärme in die Haushalte gepumpt werden. Die Schweriner Politiker und Bürger diskutierten mit den Planern.

Weltweit einzigartige Technik

Der Stadtwerke-Ingenieur René Tilsen, Bereichsleiter Erzeugung, stellte das Novum vor. Zwar gebe es viele Geothermieanlagen, doch Schwerin-Lankow sei das erste, welches zusätzlich ein ausgeklügeltes Netz an Wärmepumpen beinhalte. Solche Systeme gibt es aber bisher beispielsweise auf Marineschiffen.

Aus dem Erdinneren soll in Zukunft mithilfe des Erddrucks und Förderpumpen heißes Geothermalwasser an die Oberfläche verbracht werden. Dem Wasser wird schließlich die Wärmenergie abgezapft und per Fernwärmerohren an die Haushalte verteilt. Die ausgekühlte Sole wird wieder zurück unter die Erde gepumpt.

Dies ist möglich, weil unter Schwerin die Überreste eines Flusses von vor über 250 Millionen Jahren liegen. Die Planungen und Probebohrungen sind soweit abgeschlossen. Nun wurden Fördermittel beantragt, der Hauptbetriebsplan wurde beim Bergamt in Stralsund eingereicht und es wird europaweit ausgeschrieben. Etwa 30 – 40 Jahre ist eine Anlage nutzbar. Danach muss sich die Stelle einige Jahre wieder regenerieren.

Die Grafik eines Handzettels – Die Bohrungen gehen bis in ca. 1,2 km Tiefe
Das Ziel des Projekts ist es CO2 einzusparen und unabhängiger vom Gasmarkt zu werden

Zusammen mit Biogas soll der „Bodenschatz Erdwärme“ etwa 13.000 t CO2 einsparen und die „Wärme grün machen“, so Tilsen.

Es wird teurer für die Bürger – billiger, wenn die CO2-Steuer kommt

Klingt alles gut, doch es hat einen Haken. Die Investitionskosten sind sehr hoch. Auf Nachfrage bestätigte Tilsen, dass es für die Verbraucher wohl teurer wird. Er ist aber auch der Überzeugung, dass durch die angekündigte CO2-Steuer der Bundesregierung letztlich Schwerin billiger wegkommen könnte. Denn Geothermie würde als grüne Energie keine CO2-Bepreisung vornehmen müssen.

Es wird kurz Lärmbelästigung, aber kein zweites „Staufen“ geben

Während der Bauzeit der Pumpanlage an der Ratzeburger Straße soll es etwa 54-60 Tage zu Lärmbelästigung kommen. Baubeginn ist im 3. oder 4. Quartal 2020. Um dies dem Immissionsrecht anzupassen werden 10 Meter hohe Schallschutzwände errichtet, die anschließend wieder abmontiert werden.

Geothermie geriet in Deutschland häufig in die Schlagzeilen aufgrund der Vorfälle in Staufen. Dort brach die komplette historische Altstadt auseinander. Tilsen sagte, dass es in Staufen ein inkompetentes Bohrteam gegeben hätte. In Schwerin könne so etwas nicht passieren, den die Erdschichten seien sich auch sehr ähnlich.

Maximale Transparenz

Die Bürger können nun bis zum 21.02.2020 alle Unterlagen sichten.

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